Heerstraße

Die Station befindet sich an einer innerörtlichen Straße, die viele Jahrhunderte der Hauptverkehrsweg von Bad Sooden-Allendorf kommend nach Göttingen war, und am Ort vorbeiführte. Die Straße wurde früher Heerstraße, danach Göttinger Straße und später „Alte Straße“ genannt.

In den 1820er Jahren wurde die Straße zwischen Hebenshausen und Marzhausen erneuert. Die damalige Bezeichnung dieser Baumaßnahme lautete „kunstmäßiger Ausbau“. Sie bekam eine gesamte Breite von 32 Fuß und war mit einem Fußweg von 4 Fuß, der Steinbahn von 18 Fuß und einem Erdweg mit 10 Fuß nach ihrer Fertigstellung auch so breit, dass sich 2 Fuhrwerke auf der Steinbahn begegnen konnten. Ein Fuß entspricht 30,5cm, welches somit einer Straßenbreite von 9,76 Meter entspricht.

Der kurvenreiche bis steile Straßenverlauf und schlechte Straßenbelag wurde nahe der Ortschaft allerdings nicht instandgesetzt. Sie wird in einem Protokoll des Ministeriums im Jahr 1825 als eine der „weinigen unbebauten Stellen“ auf der Strecke zwischen Allendorf und Göttingen beschrieben. Dieser Straßenabschnitt zwischen den Nummernsteinen 12 und 13 muss in einem so schlechten Zustand gewesen sein, dass der Hauptmann von Bischoffshausen in einem Schreiben an das Ministerium bemängelte: „ … die Fuhrwerke meiden diese Stelle und nehmen eine Abkürzung über meine bestellten Felder.“

Im Februar des Jahres 1825 geschah dann an dieser Stelle der Straße das Unglück des Fuhrmanns namens Thomas. Der Fuhrmann Thomas aus Meißen transportierte Baumaterial mit seinem Fuhrwerk und in diesem kurvigen Steilstück der Straße passierte das Unglück. Das Fuhrwerk kippte um und der Fuhrmann verunglückte tödlich.

Aufgrund dieses Unglückes und der Eingabe des Hauptmanns von Bischoffshausen wurden am 6. April 1826 die Gelder für den Neubau der Umgehungsstraße durch die kurfürstliche Regierung genehmigt. Die Kosten hierfür wurden mit 2660 Reichstaler veranschlagt, was einem heutigen Betrag von ca. 80.000€ entspricht.

Die Arbeiten waren am 13. April 1827 abgeschlossen und der Kostenvoranschlag wurde eingehalten.

So bekam im Jahr 1827 das Dorf Hebenshausen seine „erste“ Umgehungsstraße, die Göttinger Chaussee oder heutige Bundesstraße 27.

Die Instandsetzungsarbeiten und den Neubau der Straße, in den Jahren 1819 bis 1827, plante und organisierte der Ingenieur Spangenberg aus Eschwege.

Seit den 1980er Jahren war wieder eine Ortsumgehung geplant, diesmal auf einem 1,6 Kilometer langen Neubauabschnitt als westliche Umgehungsstraße der Ortslage von Hebenshausen. Die B27 ist eine überregionale Fernverbindung und übernimmt im nordhessischen Raum wichtige Verbindungsfunktionen. Östlich der B27 sollen auf rund 600 Meter Länge Erdwälle zum Dorf aufgeschüttet werden, die für eine visuelle Abschirmung zur Ortslage Hebenshausens dienen sollen. Mit der geplanten Ortsumgehung würde der Ortsteil Hebenshausen vollständig vom Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung entlastet.

Leider hat das Bundesverkehrsministerium im Jahr 2017 die Notwendigkeit dieser Ortsumfahrung nicht mehr gesehen und die Maßnahme bis über das Jahr 2030 bis zur Aufstellung eines neuen Bundesverkehrswegeplanes in den „nachrangigen Bedarf“ eingestuft.


Autor:
Lars Klein

Quelle:
HStAM, 53a Nr 388, Ausbau der Göttinger Str. beim Judenfriedhof zw Hebensh. u. Marzh., 1820-1833
Hessen mobil, Werra-Meißner-Kreis – Neu-Eichenberg/Hebenshausen – B27 – Ortsumgehung, Stand: April 2015, Projekt-HE-ID: 04348
Illustrationen von Bettina Zimmermann, www.tinazett.de

Illustration des Unglückes vom Fuhrmann Thomas im Jahr 1825
Stationsschild
Original Planübersicht der Unglücksstelle im Jahr 1825
Original Planübersicht der Unglücksstelle, Kreis markiert den Unglücksort
Original Planübersicht der Umgehungsstraße aus dem Jahr 1826
Original Planübersicht der Umgehungsstraße aus dem Jahr 1826
Original Planübersicht der Umgehungsstraße aus dem Jahr 1826
Original Planübersicht der Umgehungsstraße aus dem Jahr 1826
Ortskarte von Hebenshausen mit rot eingzeichnetem Verlauf alten Heerstraße bis zum Jahr 1827

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