Hirtenhaus

Die Gemeinde Hebenshausen unterhielt mehrere Gemeindehäuser, so auch das sogenannte „Gemeinde Hirtenhaus“ mit „Hirten-Garten“. Das uns derzeit bekannte Hirtenhaus stellen wir hier vor.

Erstmalig erwähnt wird das Hirtenhaus im Jahr 1725, dort wurde auch eine Spinnerei für Garn genehmigt. Im Jahr 1746 wird in der „Special-Beschreibung“ des Ortes das Hirtenhaus erwähnt, und die Hute- und Weidegerechtigkeit in den Gemeindewaldungen und Feldmark mit 200 „Schaafen“ angegeben. Das Hirtenhaus diente als Herberge nicht nur für einen sondern für mehrere Hirten. Im Mobilienregister der Gemeinde Hebenshausen aus dem Jahr 1876/1877 wird sogar ein Heft „Hirtenordnung“ aufgeführt.

Ein Hirte ist namentlich bekannt:

Friedrich Elbrecht hatte im Jahr 1865 für ein Jahr die Anstellung in der Gemeinde als Hirte bekommen, im gleichen Jahr auch als Nachtwächter.

Im Jahr 1876 mietete Ludwig Pfetzing das Hirtenhaus für 22 Mark und 50 Pfennig.

Das Erdgeschoss des Hirtenhauses ist im folgenden Bild dargestellt. Dem aufgrund von Brandschutzauflagen erforderlichen Einbau eines Schornsteines oder früher „Russischen Rohres“ verdanken wir den Grundriss. Die Genehmigung zum Einbau des „Russischen Rohres“ wurde am 30. November 1911 erteilt.

Grundriss des Hirtenhauses 1911

Archivaliennummer 102001

Lageplan Grundstück des Hirtenhauses 1911

Der Bachverlauf im hinteren Bereich des Hauses war der Zulauf für die Obermühle und wurde künstlich angelegt. Dieser Bachverlauf ist heute nicht mehr vorhanden.

Archivaliennummer 102002

Die Planung zum Einbau des „russischen Rohres“

Archivaliennummer 102003

Das sogenannte „russische Rohr“ ist eine Bauart eines Schornsteins. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die Bauform in Deutschland durchaus üblich. Durch den schmalen Querschnitt und den hieraus resultierenden kräftigen Luftzug zeichnet sich diese Schornsteinart aus. Die hohe Zugkraft ermöglichte den Anschluss von Öfen, die sich weiter weg befanden und auch das Anschließen von besonders langen Rohren für die Öfen. Durch diese Bauart ist die Gefahr des Funkenfluges allerdings gestiegen. Aus diesem Grund kam diese Bauform wohl erst dann zum Einsatz, als die Dächer in der Regel mit harten Materialien, wie zum Beispiel Dachziegel und Dachpfannen, gedeckt wurden.

Lageplan Grundstück des Hirtenhauses 1941
(Bezeichnung des Hirtenhauses hier als Armenhaus)

Die Lage des Gebäudes ist auf der Nordseite vom Zulauf des Staubeckens für die Obermühle und im unteren Bereich von der Dorfstraße bzw. Bachstraße gekennzeichnet. Dieses Gebäude wurde jedoch in den 1940er Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Hirten nutzen das Gebäude zu dieser Zeit schon lange nicht mehr und es wurde für die Armen der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Archivaliennummer 159 HStAM, Karten, P II 16793

Das Grundstück wurde an eine Privatperson verkauft, die dort ein neues Gebäude errichtete. Wann das Gebäude abgerissen wurde ist nicht genau bekannt. Die Auswertung von Luftaufnahmen aus dem Jahr 1945 hat ergeben, dass dort kein Gebäude mehr stand. Das Gebäude mit Grundstück hatte die Hausnummer 83, heute als Bachstraße mit der Hausnummer 3 bezeichnet. Das Gebäude hat zufällig die ähnliche Ausrichtung und Lage wie das damalige Hirtenhaus.


Autor:
Lars Klein

Quellen:
Gemeinderechung 1876/1877
Special-Beschreibung über adelichBischhausische Dorf Hebenshausen, Amts Witzenhausen,
HStAM, 180 Witzenhausen Nr 633, $12 Hude- und Weyde-Gerechtigkeit
Gemeindearchiv Neu-Eichenberg, Russisches Rohr, 1911
HStAM, Amtskarten von Hebenshausen, 1941, P II 16793 Blatt 6

Gebäude mit ähnlicher Ausrichtung und Lage im Jahr 2017 wie das damalige Hirtenhaus, mit Hirtengarten
Lages des Hirtenhauses im Jahr 1911

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