Historischer Fund bei Bauarbeiten im Jahr 2015

Im Herbst 2015 wird an einem Fachwerkhaus in Hebenshausen, Kirchstraße 21, ein besonderer Fund bei Bauarbeiten am Fundament gemacht. An verregneten Abendstunden ist Hr. Koop mit dem Herausbrechen von Steinen am Fundament beschäftigt, als silbergläzend eine Münze zum Vorschein kommt. Neben der Münze liegen einige Keramikscherben und ein Knochenstück. Die Keramikscherben lassen ein Gefäß vermuten, indem ein kleiner Münzschatz verborgen sein könnte!? Da aber keine weiteren Münzen und auch aus den Scherben kein vollständiges Gefäß zu erkennen war, hat Hr. Koop die Stücke in einer Kiste zur Seite gelegt. Hr. Koop wandte sich Monate später an das Projektteam der Heimatgeschichte Hebenshausen um mehr über seinen Fund zu erfahren. Das Projektteam erstellte eine archäologische Fundmeldung mit ausführlichen historischen Liegenschaftskarten und leitete sie an Hr. Dr. Sippel weiter. Der zuständige Bezirksarchäologe Hr. Dr. Klaus Sippel erstellte einen Fundbericht, aus dem wir hier zitieren:

Münze:
Bei der Münze handelt es sich um eine silberne Münze, 30 Kreuzer, mit dem Prägungsjahr 1753.
Folgende Inschriften sind auf der Münze geprägt:

Auf der Vorderseite befindet sich ein Doppelkopfadler mit Waffen und geteiltem Wappenschild (links Lothringen und rechts Toskana) in Raute. Die Umschrift lautet INTE / DOMINE / SPERAVI / 1753 • x – „Auf dich Herr vertraue ich“.

Auf der Rückseite ein Herrscherportrait nach rechts und darunter unter einer Linie der Wert 30 mit Raute. Die Umschrift lautet: FRANC. / D: G. R. I. S. A. / GE. IER. R. / LO. B. M. H. D. (Franciscus / Die Gratia Romanorum Imperator Semper Augustus / Germaniae Ierosolymiae Rex / Lotharingiae Barri Magnus Hetrurie Dux).
Herzog Franz III. Stephan von Lothringen, Großherzog Franz II. der Toskana, seit 1730 verheiratet mit Kaiserin Maria Theresia, seit 1740 Mitregent, seit 1745 Franz I. Kaiser des Hl. Röm. Reiches (1708-1765). Die Münze ist abgegriffen.

Keramikscherben:
Bei den 24 Keramikscherben handelt es sich nicht, wie zuerst angenommen um ein Gefäß, sondern um 5 verschiedene Gefäße. Einige Keramikscherben lassen sich eindeutig je einem Grapen zuordnen, die anderen sind vermutlich auch Grapenscherben. Die Scherben bestehen meist aus steinzeugartiger hart gebrannter grauer Irdenware. Datierung Neuzeit 18. Jh..

Knochenstück:
Es handelt sich bei dem Tierknochen um ein kleines Knochenbruchstück.

Anmerkung:
Die Funde sind offenbar beim Bau des Hauses gleichzeitig in den Fundamentgraben eingefüllt worden. Da unvollständige Bruchstücke und Einzelscherben mehrere Tongefäße vorliegen, scheint es sich um normalen Abfall zu handeln. Die silberne Münze wird aber nicht achtlos mit in den Fundamentgraben gelangt sein, sondern dort vielleicht absichtlich deponiert worden sein. Daher erscheint es möglich, dass auch die drei oder vier Grapentöpfe bei der Fundamentlegung des Hauses im Zuge einer Feierlichkeit benutzt, anschließend absichtlich zerschlagen und ihre Reste – vielleicht an verschiedenen Stellen – zusammen mit der Münze absichtlich in das Fundament eingebaut wurden. Die Funde könnten also von einem Hausschutzzauber oder Bauopfer stammen.

Red. Vermutung: Wie kam die Münze nach Hebenshausen und wann wurde sie eingebaut?
Die Münze wurde im Jahr 1753 geprägt und ist in dem vorgefundenen abgegriffenen Zustand aufgefunden worden. Die Münze war demnach lange Zeit im Umlauf. Die Fundstelle ist nach der vorliegenden Liegenschaftskarte aus dem Jahr 1782 (Quelle: HSTAM, Karten, B498, Jahr 1782) bebaut. Vielleicht ist während oder nach dem siebjährigen Krieg (1756–1763) die Münze nach Hebenshausen gelangt und könnte von durchreisenden militärische Einheiten als Zahlungsmittel verwendet worden sein. Man könnte den Zeitraum der bebauten Fundstelle/Fachwerkhaus auf die Zeit zwischen 1765 bis 1780 eingrenzen.

Red. Hinweis: Was ist ein Grapen? [Wikipedia]
Ein Grapen ist ein im 12. Jahrhundert entstandenes historisches Küchengerät. Die runde, bauchige Form und die drei Beine ermöglichen es auch, den Topf direkt in die Glut des offenen Feuers einer Kochstelle zu stellen. Durch den Abstand zu Brennholz oder Kohlen und durch den Umstand, dass im Topf enthaltene Flüssigkeiten durch die runde Form des Topfbodens immer an der tiefsten und heißesten Stelle des Topfes sind, brennt das Essen nicht an. Die relativ hohe Masse des Topfes verteilt die Hitze auf die innere Oberfläche und gibt sie langsam und gleichmäßig an das Gargut ab.


Autor:
Lars Klein

Quellen:
Historischer Fund, Andreas Koop, Neu-Eichenberg
Dr. Klaus Sippel, Bezirksarchäologe, LfD Marburg, EV 17/3
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Karten, B498, Jahr 1782
Illustration von Bettina Zimmermann, www.tinazett.de
Seite „Grapen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. August 2017, 18:05 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Grapen&oldid=168208636 (Abgerufen: 10. Dezember 2017, 20:13 UTC)

Vorderseite der Münze
Rückseite der Münze
Keramikscherben eines Grapen mit Henkel
Grapenfuß
Grapenfuß mit eingedrücktem Loch
Teil eines Grapenbodens
Wandstück mit Zickzackrillen
Illustration eines Grapen

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