Gesangverein Concordia Hebenshausen

Die Stimmen in Harmonie und Wohlklang zu einem starken Chor zu vereinigen und die Herzen im gleichen Takt schlagen zu lassen, hat im Jahre 1865 Männer aus Hebenshausen und den Nachbarorten veranlasst, einen Gesangverein zu gründen. Aus der Zeit der Gründung und den nachfolgenden Jahren ist wenig bekannt und überliefert. Jedoch ist zu vermerken, dass 24 Jahre nach der Gründung, im Jahre 1889, eine Fahne gekauft und ein Jahr später geweiht wurde. In dieser Zeit war eine rege Beteiligung der Sänger an den Singstunden zu verzeichnen. Selbst Sänger aus Berge und Eichenberg-Bahnhof (die Sangesbrüder Fraatz , Köhler,
Lautemann) fanden ihren Weg zur Singstunde nach Hebenshausen.

Vereinslokal war damals die Storch’sche Wirtschaft, einer der ersten Chorleiter ein Einwohner mit Namen Dietrich. Der 1. Vorsitz des Vereins lag in den Händen von Herrn Lemke. Dieser Mann leitete die Geschicke des Vereins lange Jahre, und es ist uns überliefert, dass er noch im hohen Alter bis über die Jahrhundertwende vorstand. Chorleiter Dietrich wurde 1895 vom damaligen Lehrer Schweinsberg abgelöst.

1908 war ein Jahr des Unfriedens im Verein. Zwölf Abtrünnige sorgten für eine kurzfristige Beeinträchtigung der Vereinstätigkeit. Die Zurückgebliebenen ließen sich jedoch nicht entmutigen, und unter Sangesbruder Braunholz und Chorleiter Schweinsberg blühte der Verein wieder auf. Alle Lücken wurden durch junge Sänger geschlossen.

1910 trat ein Vereinslokalwechsel ein. Die Übungsabende und Veranstaltungen fanden von dieser Zeit an bis auf den heutigen Tag in der Gaststätte „Waldmann“ statt. In einem der wenigen uns überlassenen Protokolle aus der Zeit 1908 bis 1915 ist zu lesen: „Im Anschluss an die Singstunde wurde am 2. Februar 1910 einstimmig beschlossen, das Vereinslokal nach Gastwirt Christel (Christoph) Waldmann zu legen. Grund hierfür ist, weil die Storch’sche Gastwirtschaft, in welcher bisher unser Vereinszimmer sich befand, außer Betrieb ist. Gleichzeitig wurde beschlossen, das Wintervergnügen am 20. Februar im Waldmann’schen Saale zu feiern sowie auch die jährlich in Zukunft stattfindenden Festlichkeiten. Mit Chr. Waldmann wurde abgeschlossen, dass derselbe im Vereinszimmer sowie auf dem Saale für Licht und Heizung zu sorgen resp. ohne Vergütung aufzukommen und an Festlichkeiten die Vergnügungssteuer zu zahlen hat.“

Für einige Jahre der Unterbrechung und des Stillstandes sorgte der erste Weltkrieg. Hierzu ist aus dem letzten vorhandenen Protokoll vom 10.01.1915 zu lesen: „Es wurde beschlossen, 22 im Felde stehenden Hebenshäusern je 1 Päckchen Zigarren und 1 Fläschchen Rum zu schicken. Zu diesen Kosten sollte jedes Mitglied einen beliebigen Beitrag geben … .“ Das noch vorliegende „Beschlussbuch“ endet mit der Niederschrift der Generalversammlung vom 10.01.1915.

Die Singstunden begannen nach mündlicher Überlieferung erst wieder 1920. Anfang der zwanziger Jahre waren es gerade junge Männer, die wieder singen wollten. Die Vereinstätigkeit und damit das Singen wurde wieder aufgenommen. Ab 1922 leitete den Chor der Lehrer Franz Reimer, der bis zu seiner Pensionierung in den fünfziger Jahren vielen Hebenshäusern neben dem Singen auch das Rechnen und Schreiben lehrte. Der 1. Vorsitz lag in dieser Zeit in den Händen verschiedener verdienter Sänger (z. B. Louis Braunholz, Wilhelm Osterhorn, Robert Liberty).

Sängerfest 1925

archivaliennummer_003012

Archivaliennummer 003012

Leider sind aus der Zeit von 1920 – 1945 keine schriftlichen Vereinsbelege wie Protokolle, Kassenbücher, allgemeiner Schriftverkehr usw. mehr vorhanden. Durch Artilleriebeschuss brannte u.a. der Saal des Vereinslokals Waldmann aus. Hierbei gingen auch alle älteren Unterlagen verloren. Lediglich unsere Vereinsfahne konnte mit geringen Schäden geborgen werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg, der große Lücken in die Sängerschaft gerissen hatte, fanden sich im Jahre 1950/51 wiederum über 40 Hebenshäuser Bürger zusammen und begannen die Chorarbeit • Der Verein Gesangverein „Concordia“ Hebenshausen, so wie er seit Bestehen heißt, und welches auch die Fahneninschrift bekundet, trug in der Nachkriegszeit einen wesentlichen Anteil zum kulturellen Leben des Dorfes bei. Sängerabende, Laien-Theatervorstellungen und sonstige Veranstaltungen wurden durchgeführt. Bei Feiern, wie Volkstrauertag, Jubiläen von Ortsbürgern , beteiligte sich der Männerchor in gewohnter Weise. Das Lied fand immer seinen Platz. Unter dem 1. Vorsitzenden Arthur Dietrich und Chorleiter Johannes Hillebrand war der Verein 1952 schon auf 60 Mitglieder gewachsen. Fast immer besuchten 40 Aktive die wöchentlichen Singstunden. In dieser Zeit gab sich der Verein eine Satzung und wurde Mitglied des Mitteldeutschen Sängerbundes, Sängerkreis Unterwerra. Die Beitragshöhe betrug bis 1954 0,50DM pro Mitglied und Monat.

Im Juni 1955 feierte der Verein sein 90-jähriges Bestehen. Der 1. Vorsitzende Hermann Hartmann konnte 21 Chöre begrüßen. Neben allen Vereinen aus der näheren Umgebung und des gesamten Sängerkreises Unterwerra war auch der alte Bruderverein Volkschor Arenshausen, unter seinem Vorsitzenden und Dirigenten Oskar Rasemann, gekommen. Die Arenshäuser hatten den weiten Umweg über Wartha/Herleshausen nehmen müssen, obwohl die Entfernung zwischen beiden Orten nur wenig mehr als 3 km beträgt. Ein Gegenbesuch der Hebenshäuser Sänger im Jahre 1956 in Arenshausen oder Heiligenstadt ließ die damalige Situation nicht mehr zu.

Hochzeitsständchen für Frieda und Werner Heinemann Okt. 1953

Archivaliennummer 003031

Archivaliennummer 003031

Eine Theater-Laienspielgruppe unter Leitung von Sangesbruder Hermann Hartmann, 1955 ins Leben gerufen, führte im März 1956 ihr erstes Stück „Der Schuß im Erlengrund“ auf. Weitere Vorstellungen folgten in jährlichen Abständen in den Wintermonaten. Im Winter 1959/60 fand die letzte Aufführung statt, mangelndes Interesse brachte diese Initiative zum Erliegen.

Archivaliennummer 003032

Archivaliennummer 003032

Vom 26.- 28. Juni 1965 wurde das 100-jährige Bestehen des Vereins „im kleinen Rahmen“ gefeiert, d. h . nur mit den Nachbarvereinen aus Berge, Eichenberg, Friedland, Reiffenhausen, Unterrieden und Werleshausen. Der Verein beteiligte sich in den Vorjahren regelmäßig an den sogenannten Kreissingen des Sängerkreises Unterwerra. Wegen des 100-jährigen Jubiläums fand dieses Kreissingen am Sonntag, dem 27. Juni, auf der Linde in Hebenshausen statt. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens wurde dem Verein die Zelterplakette verliehen.

Zelterplakette

zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1965

Archivaliennummer 003034

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Sängerfest 1965

Archivaliennummer 003035

Archivaliennummer 003035

Bereits im Jahre 1967 wurde durch geringen Singstundenbesuch angeregt, eine Frauengruppe anzugliedern. Aber erst 1969 wurde dieser Vorschlag verwirklicht. Auf Initiative des 1. Vorsitzenden Hermann Hartmann und des damaligen Chorleiters Alfred Kowoll wurde aus dem Männerchor ein Gemischter Chor aufgebaut. Die Satzung des Vereins wurde 1970 dahingehend erweitert, Frauen im Chor als aktive und passive Mitglieder aufzunehmen (§ 2). Eine weitere Satzungsänderung – Vorstandswahlen nur alle zwei Jahre – wurde in dieser Zeit beschlossen.

Unter Chorleiter Alfred Kowoll, der den Verein von 1967 bis 1983 leitete, konnte der Gemischte Chor seine erfolgreiche Traditionsarbeit fortsetzen. Der Mitgliederbestand betrug zu dieser Zeit immer um die 80 Personen. Nach außen stellte sich der Chor bei vielen öffentlichen Auftritten mit seinen Liedern vor, unter anderem auch in 1969 bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Gasthauses „Waldmann“, des Vereinslokals.

Ab 1952 treffen sich die Gesangvereine aus Berge, Eichenberg und Hebenshausen jährlich zu einem Gemeinschaftssingen, dem traditionellen Liederabend. Im jährlichen Turnus ist dabei jeder Verein einmal Gastgeber. Am 6. Juni 1975 wurde im Rahmen dieses Liederabends das 110-jährige Vereinsbestehen bei Waldmanns gefeiert.

Auftritt des Gem. Chores mit Kinderchor 1977 in Bad Sooden-Allendorf

Archivalienummer 003036

Archivalienummer 003036

Um die Jugend unseres Dorfes für den Chorgesang zu interessieren und somit die Nachwuchsprobleme zu lösen, wurde ein neuer Weg beschritten. Auf Initiative des 1. Vorsitzenden Dieter Schmidt beschloss der Verein 1977, einen Kinder- und Jugendchor zu gründen, um junge Menschen für die Freude am Singen zu gewinnen. Innerhalb kurzer Zeit konnte Chorleiter Alfred Kowoll bei einer Vielzahl von öffentlichen Auftritten mit durchschnittlich 25 jungen, Sängerinnen und Sängern schöne Erfolge erzielen. Unvergesslich ist allen der Besuch des Jugendchores „Wümmespatzen“ aus Scheeßel/Lüneburger Heide am 5. und 6. Mai 1979 und der Gegenbesuch am 13. und 14. September 1980. Während dieser Reise wurde der Serengeti-Tierpark Hodenhagen besucht. Unvergesslich war der Empfang bei den Sangesfreunden in Scheeßel mit dem gemeinsamen Chorkonzert . Die 2-Tagesfahrt endete mit einer Stadtbesichtigung von Bremen einschließlich einer Hafenrundfahrt. Ende des Jahres 1980 musste die Jugendarbeit wegen immer geringer werdender Beteiligung eingestellt werden.

Kinderchor im Tierpark Hodenhagen 1980

Archivaliennummer 003036

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Gesellige Veranstaltungen gehören ebenso zum Programm des Gesangvereins „Concordia“ Hebenshausen wie die musikalischen. Zu nennen sind hier Sängerbälle, Ausflugsfahrten, Grillabende u.a.. Eine Selbstverständlichkeit sind die Beteiligungen an kirchlichen und gemeindlichen Veranstaltungen sowie Beteiligungen an den Festumzügen unserer Kirmessen und Heimatfeste.

„Schwienekopp“-Essen 1974

Archivaliennummer 003038

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Ab 1982 tritt der Verein in einheitlicher Chorkleidung auf (Frauen: schwarze Röcke, weiße Blusen, rote Westen, Männer: schwarze Hosen, weiße Hemden, rote Westen). Neue Impulse bekam der Verein in chormusikalischer Hinsicht – nach kurzer Zeit der Vakanz mit den Chorleitern Ernst Mühlhausen und Hans Burghagen – nachdem im November 1984 der langjährige Kreischorleiter Manfred Grützner für die „Concordia“ gewonnen werden konnte. In der Folgezeit wurde bewährtes und neues Liedgut erarbeitet. Am 26.04.1986 beteiligte sich der Gesangverein mit großem Erfolg an einem Wertungssingen des Sängerkreises Unterwerra im Witzenhäuser Bürgerhaus.

Erstmalig fand am 20.03.1988 ein Kirchenkonzert in der evangelischen Kirche Hebenshausen unter Mitwirkung des Bläserkreises der Kantorei der Liebfrauenkirche Witzenhausen statt. Dieses Konzert fand großen Anklang in der Gemeinde. Schließlich beteiligten sich die Sängerinnen und Sänger aus Hebenshausen im selben Jahr an einem vorweihnachtlichen Chorkonzert am 11.12.1988 im Bürgerhaus Witzenhausen.

In der Jahreshauptversammlung am 09.01.1988 beschlossen die Mitglieder, das 125-jährige Bestehen im Jahre 1990 an Pfingsten in einem großen Rahmen zu feiern. Ein zehnköpfiger Festausschuss befasste sich mit der Vorbereitung des Jubiläums. Bürgermeister Gerhard Hannich hat die ihm angetragene Schirmherrschaft übernommen. So wie sich die Stimmen in Harmonie und Wohlklang zu einem starken Chor vereinigen, schlagen im Gemeinschaftsgesang die Herzen der 39 Sänger innen und Sänger des Jubiläumsvereines im gleichen Takt zusammen.

Dieses letzte große Sängerfest in Hebenshausen wird ein voller Erfolg und bescherte allen Sängerinnen und Sängern sowie den Gästen aus nah und fern eine wunderschöne Zeit im festlich geschmückten Festzelt, an das sich vor allem die Beteiligten noch bis heute gerne zurück erinnern.


Autor:
Matthias Schmidt

Quellen:
125 Jahre Gesangverein Concordia, Festschrift zum 125-jährigen Vereinsjubiläum, Text (1990): Walter E. Vogelei, Überarbeitung (2015)

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