Krieger und Militärverein

Genaue Informationen über die Gründungsmitglieder oder weiterführende Unterlagen liegen bisher nicht vor. Einen Nachweis über die Existenz eines solchen Vereines sind die Fotos der Vereinsfahne und ein kurzer Bericht aus der Schulchronik über die Teilnahme an Feierlichkeiten zu einer Goldenen Hochzeit. Ein Denkmal auf dem Friedhof in Hebenshausen, zur Ehrung der Gefallenen des I. Weltkrieges und eine ehemalige Gedenktafel zur Ehrung der Gefallenen bei Napoleons Russlandfeldzug im Jahre 1812, in der ev. Kirche könnten durch die Initiative dieses Vereines errichtet worden sein. Der Gesangverein Concordia Hebenshausen lagert die Fahne des Krieger- und Militärvereins seit Jahrzehnten ein. Bei Aufräumarbeiten im Notenraum des Gesangsvereines entdeckte die Fahne Dieter Schmidt wieder und teilte dies der Projektgruppe mit.

Die Vereinsfahne

Archivaliennummer 003042

Archivaliennummer 003041

Eine allgemeine Erläuterung zu Kriegervereinen bis 1945

Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erfuhren Vereine und Organisationen, in denen das Andenken an den Deutsch-Französischen Krieg wachgehalten werden sollte, enorme Popularität. So wurde auch in Hebenshausen im Jahre 1896 ein Kriegerverein gegründet.
1896 wurde durch Sammlung der Kriegervereine auf dem thüringischen Kyffhäuser-Berg ein Mahnmal zum Andenken an die deutsche Einheit eingeweiht. Der vier Jahre später gegründete „Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser“ umfaßte als Dachverband nahezu sämtliche Kriegervereine des Kaiserreichs. In der Weimarer Republik bildete der formell unpolitische Kyffhäuserbund einen fruchtbaren Boden für die Verherrlichung des Ersten Weltkriegs und die Verbreitung der Dolchstoßlegende sowie der behaupteten Kriegsschuldlüge.
Die etwa 29.000 lokalen Kriegervereine im Deutschen Reich pflegten neben einer intensiven Kameradschaft und der Fürsorge für Kriegsversehrte den Mythos des Frontkämpfertums. Zumeist waren sie die Initiatoren für den Bau von Kriegerdenkmalen, die nach 1918 in nahezu jeder deutschen Gemeinde zu finden waren und deren größtes das Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen war. Dem kollektiven Gedenken an die Kriegserlebnisse dienten auch die ab 1925 alle zwei Jahre stattfindenden Reichskriegertage, an denen sich neben Kriegervereinen Wehrverbände wie der Stahlhelm beteiligten.
1932 rief der Kyffhäuserbund seine ca. zwei Millionen Mitglieder auf, ihre Stimme bei der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl seinem seit 1919 amtierenden Ehrenpräsidenten Paul von Hindenburg zu geben. Für seinen Gegenkandidaten, den ehemaligen Frontsoldaten Adolf Hitler, eine allzu schmerzliche Erfahrung. Vier Jahre nach der Machtübernahme der NSDAP verfügte er 1937 die Umbenennung des traditionsbewußten Kyffhäuserbunds in „NS-Reichskriegerbund“, der 1943 aufgelöst wurde.
(https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/kriegervereine.html)

Eine allgemeine Erläuterung zu Kriegervereinen nach 1945

Ein Kriegerverein (als Sachbezeichnung z. B. auch Soldaten, Veteranen, Kameraden, Reservisten oder Kombinationen dieser Bezeichnungen; als Organisationsbezeichnung auch Kameradschaft oder Bund) ist eine in der Rechtsform eines Vereins organisierte Vereinigung. Sie widmet sich der Kriegsgräberfürsorge, der Fürsorge von Kriegs-Hinterbliebenen und Kriegsopfern, der Errichtung und Pflege von Kriegerdenkmälern und Gedenkstätten sowie der Reservistenbetreuung.
Kriegervereine fördern die Kameradschaft (z. B. zwischen ehemaligen Soldaten, Kriegsteilnehmern und Soldaten der Bundeswehr), die Erhaltung des Brauchtums und die Bewahrung des Andenkens an die gefallenen und vermissten Soldaten.

Die Förderung des Brauchtums beinhaltet unter anderem:
– Pflege der Vereinsfahnen

Teilnahme der Kameradschaft mit Fahnenabordnung bei:
– Beerdigungen von Vereinskameraden
– kirchlichen Festen, z. B. Fronleichnams-Prozession usw.
– Vereidigung von Rekruten der Bundeswehr
– örtlichen Gemeinde- und Vereinsveranstaltungen, z. B. Totenehrung am Kriegerdenkmal, usw.

Der Verein setzt sich für die Versöhnung der Völker und die Bewahrung des Friedens ein. Der jeweilige Vereinszweck eines Kriegervereins ist der jeweiligen Vereinssatzung zu entnehmen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegerverein)

Zwei dokumentierte Aktivitäten des Kriegervereines aus der Schulchronik

Feier des 100. Jahrestag der Schlacht bei Leipzig

Am 18. Oktober 1913 Feier des 100. Jahrestag der Schlacht bei Leipzig. Morgens 9 Uhr Feier in der Schule; 12- 12 ½ Läuten mit beiden Glocken. Abends Fackelzug mit den Schulkindern durch das Dorf, Abbrennen einen Freudenfeuers auf Waldmann Lande an der Höhe des Koppelswegs nach Marzhausen u. Sonntag, den 19. gemeinschaftliche Feier vom Krieger- u. Gesangverein. Morgens 9 Uhr gemeinschaftlicher Kirchgang mit beiden Fahnen, Aufstellung der Fahnen neben dem Altar. Nachmittags 2 Uhr Festzug durch das Dorf.

Voran ritt Schmiedemeister Karl Küllmer, als Herold, August Heinemann als Ulan, Friedrich Hoffmeister ! als Trainsoldat, 2 als Lötzor (???) war Reiter u. 4 Infanteristen, auf dem Siegeswagen, gezogen von vier Pferden standen, Fräulein Emma Hoffmeister als Germania und Fräulein Marie Küllmer als Göttin des Friedens. Die Veteranen von 1870, Heinrich Waldmann, Konrad Gobrecht und Wilhelm folgten im Wagen nach. Dann folgten Krieger- u. Gesangverein.
Vor dem Wagen marschierte die Schuljugend, die zum größten Teil (durch freiwillig gespendete Gaben) mit Uniformen aller Art, Helmen, Mützen und Schärpen geschmückt waren. Jedes Kind behielt die Gabe als Eigentum. Abends 7 Uhr Fackelzug der beiden Vereine, begleitet mit Abbrennen von bengalischen Feuern;
Dann Abbrennen eines Freudenfeuers bei den 3 Linden. (Diese drei Linden sind nach den glorreichen Siegen von 1870/71 gepflanzt worden.)
Ein gemeinschaftlicher Tanz hielt die Festgenossen bis zum 20. morgens 6 Uhr zusammen.

Zur Goldene Hochzeit im Jahre 1924 von Karolin und Kurt Elbrecht

Am Tage der 50. Wiederkehr des Hochzeitstages begab sich der Pastor von Berge, Herr Pfarrer Dittmer in das Haus der Familie Elbrecht und überreichte dem Jubelpaare nach einer Ansprache im Namen des Kirchvorstandes eine Prachtbibel. Am Abend fanden zwei Fackelzüge statt, der Kriegerverein, unter Führung seines Vorsitzenden, des Herrn Bierwirth überbrachte im Namen des Kreiskriegerverbandes 50 M. und im Auftrage des Kriegervereins Hebenshausen 2 Korbsessel (Sorgenstühle). Anschließend widmete der Gesangverein ein Ständchen, das mit einem 3fachen Hoch auf das Jubelpaar abgeschlossen wurde. Mögen die beiden Alten, die 6 lebende Kinder, 25 lebende Enkel und 2 lebende Urenkel besitzen, sich noch recht lange im Besitze ungetrübter Gesundheit erbauen.


Autor:
Lars Klein

Quellen:
Schulchronik Gemeinde Hebenshausen, Gemeindearchiv Neu-Eichenberg
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/kriegervereine.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegerverein

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