Obermühle

Die Obermühle lag, wie der Name schon erahnen lässt, im oberen Teil des Dorfes an der Dorfstraße – Hausnummer 16 – heute Bachstrasse7. Die Mühle hatte eine oberschächtiges Wasserrad mit 5,55 m Durchmesser und 0,84 m Breite. Aus der Zeichnung des Mühlenbachverlaufes vom Jahr 1925 ist bekannt, dass die Wasserzuführung für die Mühle hinter dem Gebäude verlief. Dieser angelegte Mühlengraben weit oberhalb der Mühle liefert das notwendige Gefälle. Angetrieben wurden ein Mahl- und Schrotgang, eine Putzerei sowie eine Kreissäge. Betreiber der Mühle war der Müller Heinrich Karl Hartmann. Der weitere Ausbau der Stromversorgung im Ort führte dazu, dass der Müller in den Jahren 1927 – 1931 die Mühle mit einer elektrischen Turbine ausstattete und ein Wasserrad somit nicht mehr erforderlich war.

Folgende Abbildung zeigt die Lage Obermühle

(Ausschnitt aus: Lageplan zur Kanalisierung des Mühlenbaches in der Ortsnebenstraße in Hebenshausen, 1925)

Archivaliennummer 105001

Die Pfeile weisen auf den Mühlenbetrieb

Der blaue Pfeil zeigt die Stelle des ehemaligen Teiches, der den nötigen Wasservorrat für die Mühle speichern konnte. Das Wasserrad war an der Stelle montiert, auf die der rote Pfeil zeigt. Die blaue Linie zeigt den damaligen und heutigen Bachverlauf.


Archivaliennummer 105001

Mahlkarte aus dem Jahr 1949

Diese Mahlkarte ist mit dem Stempel der Obermühle von Heinrich Hartmann versehen. Während und noch nach dem Krieg durfte man nur eine bestimmte Menge Getreide mahlen lassen, und man musste im Besitz einer amtlichen Mahlkarte sein.

Archivaliennummer 100001

Das folgende Foto zeigt die Obermühle in den 1930er Jahren

Archivaliennummer 003022

Das folgende Foto zeigt die Obermühle
(Westansicht, Aufnahmejahr 2015)

An dieser Seite des Gebäudes war das Wasserrad montiert
(Ostansicht, Aufnahmejahr 2015)

Archivaliennummer 130004

Der Mühlengraben ist auch heute noch zu erkennen

Das Wasser der Mühle wurde dem Wasserrad über einen Mühlengraben zugeführt. Dieser Mühlengraben ist auch heute noch zu erkennen (siehe linkes Foto mit rotem Pfeil). Es ist deutlich zu sehen, dass der Mühlengraben sehr hoch an die Mühle heranführte.

Er bestand in seiner zuletzt genutzten Ausführung aus Metall und war 40 cm breit und 30 cm hoch. Zum Teil wurde er unterirdisch geführt, denn der Kanal war von oben ebenfalls mit Metallplatten abgedeckt. Die folgenden Fotos zeigen  Nahaufnahmen des Mühlengrabens.

Archivaliennummer 130002

Archivaliennummer 130005

Funktionsweise des oberschächtigen Wasserrades

Die Abbildung stellt das Funktionsprinzip des Wasserrades dar. Oberschächtige Wasserräder sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Sie haben einen noch besseren Wirkungsgrad als mittelschächtige oder unterschächtige Wasserräder.

Archivaliennummer 130006

Nachnutzung der Obermühle

Heinrich Karl Hartmann war der letzte Müller, der hier noch eine Mühle aktiv betrieb. Später eröffnete in dem Gebäude ein Gemischtwarenladen.

Leider existieren von diesem, der von Marie Osterhorn geführt wurde, keine Bilder. Frau Marie Osterhorn betrieb ihren Laden vom Jahr 1972 bis 1983. Viele Bewohner kauften in diesem Gemischtwarenladen ein. Von Lebensmitteln bis zu Kolonialwaren reichte das Angebot.

Ihr Lebensabschnittspartner, Günther Gottschalk, hatte auch für kurze Zeit sein „Detektivbüro“ in diesem Gebäude und trat unter dem Namen  „Gündi, der Fuchs“ auf. Ob er tatsächlich jemals Aufträge erhalten hat, ist nicht bekannt.

 


Autor:
Lars Klein
Quellen:
Gemeindearchiv Hebenshausen, Kanalisierung des Mühlenbaches in der Ortsnebenstraße in Hebenshausen, 1925
Marie Osterhorn, *1916, †1985
Illustrationen von Bettina Zimmermann, www.tinazett.de

Obermühle mit Wassserrad
Obermühle im Jahr 2015

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